Flüchtlingsprojekt

Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland

Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Im Jahr 2016 wurden durchschnittlich 24 Menschen pro Minute entwurzelt - das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug!
(aus dem Weltbericht 2015 des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR)
Gewalt, Unterdrückung, Krieg und Verfolgung vertreiben mehr Kinder, Frauen und Männer als je zuvor aus ihren Heimatorten. Etwa die Hälfte der geflüchteten Menschen ist unter 18 Jahre alt. Wenn sie Europa erreichen, haben die meisten geflüchteten Menschen nicht nur die Schrecken in ihrem Heimatland überlebt, sondern auch eine traumatische Flucht hinter sich. Sie leiden fast alle unter Schlaflosigkeit, psychosomatischen Schmerzzuständen, vielen akuten Erkrankungen und verschiedensten seelischen Belastungen.
Die klassische Homöopathie kann die Betroffenen darin unterstützen, die oft gravierenden Folgen dieser traumatischen Erlebnisse zu überwinden. Dafür setzt sich „Homöopathie in Aktion" gemeinsam mit den „Homöopathen ohne Grenzen" seit 2015 ein:
300 homöopathisch arbeitende HeilpraktikerInnen und ÄrztInnen arbeiten mittlerweile in verschiedenen Hilfsprojekten und Einrichtungen deutschlandweit mit geflüchteten Menschen.

Mehr über das Projekt, seine Struktur und wer dahinter steht...

Idee und Struktur des gemeinsamen Projekts

Die Idee:

Durch den Zusammenschluss stehen eine große Zahl an erfahrenen Homöopathen für die Behandlungen von Geflüchteten zur Verfügung. Willkommen sind aber auch KollegInnen, die nicht Mitglied von HiA oder HOG sind!

Die Struktur

ist schlank und einfach und besteht aus:

den homöopathisch arbeitenden HeilpraktikerInnen und ÄrztInnen, die sich als Projektmitglieder angemeldet haben.
Projektgruppen, zu denen sich die KollegInnen zusammengeschlossen haben, um zusammenzuarbeiten und sich durch Austausch und Intervision gegenseitig zu unterstützen
Lokalen Kontaktpersonen: meist LeiterInnen der Gruppen, die den Kontakt zum Projektteam halten und Informationen von dort bekommen und weiterleiten, Fragen klären können etc.
dem Projektteam: den drei Kolleginnen Regina Mössner (Projektleitung), Christa Ehrlich und Sonja Langen (Öffentlichkeitsarbeit)
Sie sind gleichzeitig regionale Ansprechpartnerinnen für Mitte/Ost, Nord und Süd für die Gruppen bzw. deren Kontaktpersonen - siehe bitte hier

Was passiert bereits beim Flüchtlingsprojekt?

In vielen Städten und Ballungsgebieten haben sich Gruppen von homöopathischen KollegInnen zur Behandlung zusammengetan.
Sie arbeiten teils in ihren Praxen, häufig auch in den Flüchtlingseinrichtungen selbst, die für diese Hilfe oft sehr dankbar sind.
Denn die medizinische Versorgung ist für die Geflüchteten nur begrenzt zugänglich und die psychotherapeutische Betreuung aufgrund fehlender Therapieplätze kaum eine Option.
Auf diese Weise sind bereits hunderte kranker Flüchtlinge homöopathisch begleitet und ca. 2000 Menschen in Erstauffanglagern akut behandelt worden.
Welche Entlastung dies für die Einzelnen bedeuten kann, lesen Sie hier

Erste Feedbacks der ProjektkollegInnen

auf die Frage "Was bewegt Euch in Eurer Arbeit im Flüchtlingsprojekt und was empfindet Ihr positiv?"

Maria Hufnagel-Schwab, Heidelberg: Das große Leid eines 6 jährigen Kindes, dessen Vater vor ihm erschossen wurde, hat mich sehr bewegt.
Oder das eines jungen Mannes, 25 Jahre alt, aus Gambia, der 4-5 mal lebensbedrohliche Situationen erlebt hat - in seinem Land, auf der Flucht im Gefängnis in Senegal, in der Wüste, eine Bombe im Flüchtlingsheim in Libyen, etc. Er hat einen kleinen Sohn zurückgelassen, nach dem er unendliche Sehnsucht hat.
So jung, so viele Tragöden erlebt und trotzdem so liebenswürdig, menschenfreundlich und hilfsbereit geblieben!

Anne Blomeyer, Nürnberg: Interessant finde ich, wie wichtig die Homöopathie auch für das Gelingen der Integration der Flüchtlinge ist. Anhaltender körperlicher und seelischer Alarmzustand aufgrund eines akuten Traumas äußert sich oft in unkontrollierbarer Aggressivität, in lähmender Depression und auch in geistiger Blockade, sodass schon das Erlernen der neuen Sprache unmöglich ist. Darin zeigt sich die soziale Dimension der Problematik.
Die belastende Lebenssituation und die Ungewissheit über ihre Zukunft oder das Schicksal ihrer Angehörigen sind oft genug starke Heilungshindernisse oder Grund für Rückfälle, die wir immer wieder beobachten, wenn ein Patient nach erfolgreicher Behandlung erfährt, dass sein Asylantrag abgelehnt wurde und er abgeschoben werden soll.
Es ist schwer zu verkraften, dass wir nicht noch mehr Menschen helfen können, aber die Dankbarkeit derjenigen zu spüren, die zu uns kommen, ist wunderbar und gibt uns Kraft zum Weitermachen.

Ulla Rogge-Schöll, Inning a. A.: Es war schön zu sehen, wie die homöopathische Behandlung den Flüchtlingen Hilfe bringt und somit z. B. deren schlaflose Nächte ein Ende hatten und wie erstaunt und dankbar sie waren, dass diese kleinen Kügelchen so wirksam sein können.

Birgit Atzl, Nürnberg: Der Kontakt mit den Menschen und ihren Schicksalen und Traumata bewegt mich sehr, erlebe die Arbeit als sehr öffnend und freue mich immer auf die Sprechstunden!

Dr. Anke Lemmer, Erlangen: Meine homöopathische Behandlung in der Notunterkunft hat sich schnell herumgesprochen, sodass gezielt zu meinen Sprechstunden Flüchtlinge (wieder) kamen, die homöopathisch behandelt werden wollten (obwohl sie vorher noch nie etwas mit Homöopathie zu tun hatten).
Und es hat sehr viel Freude gemacht, beim Hospitieren fitte Frauen aus unserer „Regionalgruppe Franken" dabei zu haben. Im Team macht das homöopathische Nachdenken noch mehr Spaß!
Überhaupt ist es eine Bereicherung, die Regionalgruppe Franken vom Gründungstag bis heute bei der Vernetzung zu erleben: pragmatisch, kollegial, kreativ!