Aus unserer Arbeit

12jähriger Junge, Panikattacken

Ein 12jähriger Junge, kommt in Behandlung wegen Panikattacken.
Sie ereignen sich regelmäßig in der Schule und sind so heftig, dass er schon seit Wochen den Unterricht nicht mehr besuchen konnte. Die Panik taucht vor allem auf, wenn die Schüler im Schulflur dichtgedrängt und laut unterwegs seien. Er möchte dann fliehen, versuche – vergeblich - schnell wegzulaufen. Aber dann würden seine Muskeln schwach und er bekomme einen Tunnelblick, ...

...alles um ihn sei dunkel, nur am Ende des Tunnels sehe er hell. Seine große Angst sei, ohnmächtig umzukippen. Er sagte auch, "nie im Leben" könne er sich einer Operation oder Narkose unterziehen.
Auf meine Frage, ob der Junge ein Trauma erlitten habe, erinnerte sich die Mutter, dass er ihr als recht kleines Kind in der Stadt im Vorweihnachtstrubel verlorengegangen war und nach Stunden mit Hilfe der Polizei wiedergefunden wurde.
Die Überlegung lag nahe, dass die aktuellen Panikattacken ein Flash-back dieser für das Kleinkind traumatischen Situation waren.
Einige Wochen nach dem Mittel berichtete die Mutter, B. habe tags darauf nach einem unvergleichlichen Wutanfall einen halben Tag lang geschlafen. Seither seien nicht nur keine Panikanfälle mehr aufgetreten, er sei überhaupt "wie ausgewechselt", konzentrierter und ruhiger.
Auf Nachfragen Jahre später bestätigte die Mutter, er entwickle sich weiter gut.
(Dr. Martine Janke)

 

Der kleine S. aus Syrien ist 6 Jahre alt und seit 2 Wochen in Hamburg, als wir ihn das erste Mal treffen:

Im Alter von 3 Jahren sah er, wie seine schwangere Mutter bei einem Bombenangriff ums Leben kam. Sein Vater heiratet 2 Jahre später wieder, doch die Frau misshandelt S. und seinen Bruder schwer. Der Vater trennt sich erst jetzt vor ein paar Tagen hier in Deutschland von dieser Frau. Es läuft ein deutsches Strafverfahren gegen sie wegen Körperverletzung der beiden Kinder.

Wir werden von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin geholt, die sich Sorgen um die Familie macht, und treffen uns im Café Refugio.
S. sitzt unter dem Tisch und wir sehen eigentlich nur riesige schwarze Augen. Er kommt nicht aus seinem Versteck hervor. Der Vater erzählt mit Hilfe des Dolmetschers. Wir versuchen abwechselnd in Kontakt mit S. zu kommen. Plötzlich kommt er unter dem Tisch hervor und rast durch den Raum. Er stößt überall an, rennt auf meine Kollegin zu, boxt ihr in den Bauch und verschwindet wieder unter dem Tisch. Wir erfahren, dass er seit Jahren nachts schreit. Er kommt wieder hervor und setzt sich auf meinen Schoß. Er schmust mich an - ganz, ganz nahe. Dann nimmt er unsere Kreiden und gibt sie nicht mehr her.

2 Wochen nach der Mittelgabe ist schon eine deutliche Besserung eingetreten, nach Wiederholung und Erhöhung der Potenz geht es weiter aufwärts.
Der Vater berichtet nun, dass das Schreien nachts viel besser wurde. S. ist ausgeglichener. Er entwickelt Ängste beim Alleinsein, was wir als altersgerecht bewerten.
Wenn ich jetzt ins Café komme, male ich immer ein bisschen mit ihm und wir lernen deutsche Wörter.
S. hat sich inzwischen zu einem Jungen entwickelt, mit dem alle gerne etwas zu tun haben. Jeder mag ihn und wuschelt durch seine struppigen schwarzen Haare. So bekommt er viel Aufmerksamkeit und ich finde, dass seine großen schwarzen Augen auch schon manchmal fröhlich schauen.

Auch sein Bruder ist bei uns in Behandlung, auch ihm geht es schon viel besser. Wir hoffen, beide weiter homöopathisch begleiten zu können.

(Claudia Fröhlich, Hamburg)

 

O. ist der Vater des kleinen S:
Seine Söhne sind jetzt 6 und 9 Jahre alt.
Auch er musste vor 3 Jahren miterleben, wie seine damals schwangere Frau durch einen Bombenangriff ums Leben kam. Ein Splitter derselben Bombe steckt in seinem linken Oberkörper, nahe der Schulter.
Er heiratete wieder, damit seine 2 Kinder versorgt sind. Erst hier in Deutschland, vor einer Woche, trennte sich von ihr wegen der Misshandlung seiner Söhne. Auf die Frage, ob er auch von ihr misshandelt wurde, antwortet er nicht.
Er klagt über starke Schmerzen beim Bewegen des Armes. Die Untersuchung ergibt eine Verdickung: festes, aufgequollenes Gewebe. Wir geben ein Mittel und schicken ihn zum Medibüro, da er noch keinen Krankenschein hat. Dort kann nichts für ihn gemacht werden, man müsste röntgen. Es geht ihm aber schon ein bisschen besser als wir ihn zehn Tage später treffen. Nun sind die Schmerzen eindeutig Nervenschmerzen. Wir geben ein anderes Mittel und lassen mit Hypericumöl einreiben.
Eine Woche später treffen wir den Patienten in einem psychisch sehr schlechten Zustand. Er grübelt, ist in Sorge um seine Jungs, um die Aufenthaltsgenehmigung und ihre Zukunft. Er schläft kaum. Wir behandeln nun die psychische Verfassung.
Nach 2 Wochen geht es deutlich besser!
Auch den Kindern geht es inzwischen durch die Hilfe unterschiedlicher Menschen und der homöopathischen Behandlung viel, viel besser.
Nun folgt das dritte Mittel wegen der Splitterverletzung. Als ich O. nach ca. 3 Wochen treffe, zeigt er mir stolz, wie er seinen Arm bewegen kann. Die Schmerzen sind fast verschwunden und das aufgequollene Gewebe um den Splitter herum hat sich inzwischen aufgelöst.
Es ist, als könne der Körper sich mehr mit diesem Splitter abfinden.
Vielleicht könnte O. das langfristig auch mit seinen Erlebnissen gelingen. Das wäre die größte Hilfe für die Zukunft der Familie.
Er ist auf dem Weg dahin - wir begleiten ihn, solange er in unserer Nähe ist.

(Claudia Fröhlich, Hamburg)

 

Dieser kleine Junge mit Down Syndrom,

8 Monate alt, kam im Juni 2015 zu mir. Sein Vater hat sich von seiner Familie getrennt: Er bekam keinen Job, potentielle Arbeitgeber meinen, mit einem behinderten Kind sei er nicht voll leistungsfähig. So distanziert er sich von der Familie, es erdrücke ihn, er kommt mit dem Zustand nicht so leicht zurecht wie die Mutter.
Der ältere Bruder, 2 Jahre alt, lebt bei seinem Vater. Seine Neurodermitis verbesserte sich während der homöopathischen Behandlung sehr, er kratzt nicht mehr.
Die Familienanamnese zeigt eine starke Belastung: Suizid mit 42 J., Brust-CA, MS, Allergien. Die Mutter hat Schilddrüsenknoten. Sie war schockiert nach dieser Diagnose in der Schwangerschaft.
Der Kleine kommt mit einem Not-Kaiserschnitt in der 35.Woche zur Welt. Er hat einen Herzfehler, zwei Löcher im Herzen, und die Verbindung zur Lunge ist unvollständig ausgebildet. Es besteht eine starke Trinkstörung. Aufgrund der allgemeinen Muskelschwäche trinkt er schwach und erbricht sofort nach dem Stillen, das bis zu einer Stunde dauert.
Zudem hat er massive Verstopfung.
Wie häufig bei Down Syndrom Kindern schnarcht er stark beim Schlafen durch eine Laryngomalazie (Erweichung des Kehlkopfes). Er schläft viel, bis zu 4 x am Tag.
Nach dem homöopathischen Mittel wird die Verdauung besser, er hat jetzt jeden 2. Tag Stuhlgang. Sein Schlaf, der vorher mehrmals unterbrochen war, ist deutlich ruhiger und morgens länger. Seine Körperspannung, seine Agilität und sein Appetit verbessern sich ebenfalls zusehends.
Zwei Herzoperationen steckt er gut weg: eine wegen einer Aortenisthmusstenose und eine am Lungenductus. Danach werden alle Schilddrüsen- und Blutdruckmedikamente bei ihm abgesetzt. Er macht nochmal einen großen Entwicklungsschub.
Später traute sich die Mutter nicht mehr zu kommen, weil "Sie ja Ihr Geld nicht bekommen". Wir haben jetzt einen neuen Termin gemacht.
(Sabine Schönfelder, im Januar 2016)

 

M., ein Asylbewerber aus Kosovo Albanien, geboren 1987.

Er will hier bleiben, denn auch wenn Kosovo kein Kriegsland sei, könne er dort nicht für seine Familie sorgen. Er kommt mit einem Freund und zwei Bekannten von mir, die übersetzen.
Aufgrund seiner tiefen Ängste ist er schlaflos und läuft nachts unruhig durch die Wohnung. Wenn er einmal schläft, hat er Alpträume vom Krieg. Den hat er als Kind erlebt, aber er spricht nicht darüber. Er will nicht mehr leben.

Drei Wochen lang war er in einer Klinik und wurde medikamentös behandelt - erfolglos. Der Arzt sieht seine Beschwerden bedingt durch seine Angst.
Er zieht sich zurück, will nicht zu den anderen in den gemeinsamen Raum in der Wohnung, in der er seit weiteren drei Wochenuntergebracht ist. Er ist sehr angespannt, da heute morgen zwei Landsleute abgeholt wurden mit der Begründung, sie hätten nur wirtschaftliche Interessen und Kosovo sei ein sicheres Land. Nun hat er Panik, er will auf keinen Fall zurück.
Nach dem Mittel, das ich ihm gebe, kann er schlafen, wird mir berichtet. Auch seine starke Verstopfung ist weg. Die Wirkung lässt jedoch nach in dem Moment, als er von seiner Abschiebung erfährt. Ich wiederhole das Mittel, doch zum Folgetermin kommt er nicht mehr, aus besagtem Grund.
(Sabine Schönfelder, im Januar 2016)

 

.... und mir explodiert der Schädel

Nach einem telefonischen Vorgespräch mit der Mutter (alleinerziehend, 4 Kinder, ALG II seit 4 Jahren) kam im Herbst letzten Jahres die 18jährige A., eine angehende Abiturientin, in meine Praxis. Der erschöpfte Gesichtsausdruck der jungen Frau wies bereits auf ihre Leidensgeschichte hin. Seit ihrem 9. Lebensjahr litt sie unter starken Migräneanfällen und das teils mehrmals im Monat, zusätzlich zu „normalen" Kopfschmerzen. Gegen beides nahm sie seit nunmehr 9 Jahren stärkste Schmerzmittel, die aber nur bedingt halfen und bereits eine deutliche Leberschädigung und damit eine abnorme Müdigkeit hervorgerufen hatten. Ihr Abitur war sehr fraglich geworden, da sie dadurch dem Unterricht nicht mehr folgen konnte.

Bis zur homöopathischen Anamnese galt die Migräne als „Familienerbstück", da ein älterer Bruder
ebenso wie die Mutter ebenfalls darunter litten, wenn auch nicht in dieser Heftigkeit.
Im Laufe der zweistündigen Erstanamnese wurde das zugrundeliegende Trauma immer deutlicher. Als die Familie noch gemeinsam in N. lebte und der Vater seit Jahren arbeitslos war, litt er offenbar in seinem Selbstwertgefühl sehr unter dieser Situation und gab daran seiner jüngsten Tochter die Schuld. Immer wieder, während die Mutter außer Haus war, kam es zu massiven Beschimpfungen.
A. war zu diesem Zeitpunkt den Launen ihres Vaters wehrlos ausgesetzt und hatte dann die Anschuldigungen als ihre tatsächliche Schuld auf sich genommen.
Als schließlich eines Tages das Verhalten des Vaters eskalierte und es zu einem brutalen Übergriff kam, der von der Mutter nicht gesehen wurde, begann die Migräne.
A. machte ihrer Verbitterung Luft, mit dem Satz: „mir explodiert der Schädel".
Mit diesem Aufschrei wurde das passende Mittel deutlich. Es war erstaunlich, wie schnell sich die
Migräne zurückzog. Dieses Mittel ist noch heute das Notfallmittel, sollte doch noch einmal ein Anfall
auftreten, doch seit nunmehr 6 Monaten gab es keine Migräneanfälle mehr und nur noch einmal
Kopfschmerzen nach einer Feier.
Es folgten weitere Mittel, die der veränderten Symptomenlage angepasst waren. Die Traumaauflösung führte zu einer bis heute anhaltenden Beschwerdefreiheit, die Leberwerte sind mittlerweile annähernd normal, wodurch auch die abnorme Müdigkeit der Vergangenheit angehört. Das Abitur hat A. mit einem sehr ordentlichen Durchschnitt bestanden, so dass sie nun im Herbst ihr Psychologiestudium aufnehmen kann. Von den Verstrickungen ihrer Herkunftsfamilie konnte sie sich komplett frei machen und hat gerade ihre erste feste Beziehung aufgenommen.

(Hp Daniela Haeffner, Berlin)